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THEMA: Vermeidung/Veränderung des Sprungverhaltens - Patientenvorbehandlung 07.10.18

Vermeidung/Veränderung des Sprungverhaltens - Patientenvorbehandlung 07.10.18 22 Okt 2018 06:41 #56

  • christiane
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Hallo Andrea,
super, sehr ausführlich. Kleinigkeiten habe ich verbessert bzw. ergänzt, aber es waren wirklich nur Kleinigkeiten. Sehr schön
Christiane

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Vermeidung/Veränderung des Sprungverhaltens - Patientenvorbehandlung 07.10.18 18 Okt 2018 08:51 #50

Cauda-equina-Syndrom
(Degenerative lumbosakrale Stenose, DLSS), (C.E.K.S.)
(C. E.K. Syndrom = Kombination von verschieden Krankheitszeichen, die alle auf eine Ursache zurückführen)

Degenerative neurologische Erkrankung durch Schmerz und Lähmung gekennzeichnet.

Entstehung:
Kompression der Spinalnerven im Rückenmarkskanal, der Cauda equina, infolge degenerativer Prozesse und Malformationen an der Wirbelsäule am Übergang von der Lendenwirbelsäule (L7) zum Kreuzbein (S1) . Es kommt zu einer Entzündung der Nerven der Hinterhand.

Vorkommen/Rassedisposition:
Häufig bei älteren Hunden Über 20 kg, bei Pudel auch kleinere, leichtere Hunde.
Insbesondere der Deutsche Schäferhund, Riesenschnauzer, Siberian Husky, Dobermann, Rottweiler und Boxer.

Krankheitsentstehung:
Ursache der Erkrankung sind degenerative VeränderungenMalformationen an der Wirbelsäule. Der letzte Lenden- oder der erste Kreuzwirbel ist häufig ein "Übergangswirbel" d.h. er zeigt Baumerkmale des jeweils anderen Wirbelsäulenabschnitts, was häufig mit einer Instabilität verbunden ist. An dieser Stelle ist der Wirbelkanal außerdem sehr flach.
Das Rückenmark ist am Lenden-Kreuz-Übergang bereits zu Ende und im Wirbelkanal verlaufen die langen Spinalnerven, was dann so aussieht wie ein Pferdeschwanz (Cauda equina) .Diese Nerven sind für die Versorgung der Muskeln des Beckens und der Schwanzes sowie der meisten Muskeln der HGL zuständig.
Belastungen wie Laufen und Springen kann es bei älteren Hunden zu Abnutzungserscheinungen, kommen wodurch sich eine Arthrose entwickelt.
Übergewicht und Überlastung sind begünstigende Faktoren.
Es kommt zu Umbauvorgängen an der Wirbeln, Verdickungen des Zwischenbogenbandes (Ligamenta flava) und oberen Längsbandes (Ligamentum longitudinale dorsale), zur Subluxation und unter Umständen auch zu einem Bandscheibenvorfall.

Weitere Ursachen sind: Tumore im Wirbelkanal, Frakturen und Luxationen, Osteochondrosis dissecans der Wirbelendplatte des Kreuzbeines und angeborene Verengungen.

Diese Prozesse führen zu einer Verengung des Wirbelkanals (Stenose), wodurch ein Druck auf die Nervenwurzeln ausgelöst wird und es zu einer Schädigung der Nervenfasern kommt.
Die Kompression kann auch auf die versorgenden Blutgefäße wirken und somit eine Blutunterversorgung und damit zusätzliche Nervenschädigung verursachen.

Klinik:
Die Symptome entwickeln sich schleichend. Betroffene Tiere werden lauffaul, sind unwillig Treppen zu steigen und springen nur noch widerwillig. Ursache dafür sind die Schmerzen, der Schmerz verringert sich nach ausgedehnten Ruhepausen und wird bei Belastung stärker, mit dem Warmlaufen kann es zu einer scheinbaren Besserung kommen. Der Patient hat Aufstehprobleme.
Leichte Lähmungserscheinungen (Paresen) stellen sich ein. Anfangs nur undeutlich dargestellt wie z.B. eine starke Winkelung der Hintergliedmaße, es kommt zu einem Schleifenden Gang wodurch die Krallen auf der Dorsalseite abgenutzt sein können. Auch eine Lähmung des Schwanzes ist möglich.
Bei Fortschreiten der Erkrankung kommt es zu einer Muskelatrophie und eventuellen Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz. Libidoverlust bei Rüden, häufige Analdrüsenentzündungen.
Negativer Paniculus-Reflex.

Diagnose:
Erste Schmerzreaktionen im Lenden-Kreuz-Bereich, dazu wird der Schwanz überstreckt, die Hüftgelenke übersteckt und ein kräftiger manueller Druck auf den Lenden-Kreuz-Bereich ausgeübt. Die Reflexe der Hintergliedmaße (Flexorreflex, Tibialis-cranialis-Reflex, Patellasehnenreflex) und der Perinealreflex sind häufig ungestört oder abgeschwächt erhalten.
Als bildgebendes Verfahren, Röntgenbild. (allerdings nicht immer eindeutige Diagnose möglich)

Diagnosesicherung durch Myelografie, CT oder MRT

Differentialdiagnose
Knochenbrüche, Luxationen, Traumen, mit Bluterguss, Ödeme sowie Tumore im Wirbelkanal, Abszesse und Arthrosen des Hüftgelenks sowie die Coccygeale Myopathie (Schwanzmuskelleiden, limber Tail) . Discospondylitis zeigt ein ähnliches klinisches Bild, tritt aber hochakut auf.

Therapie
Bei einer reinen Schmerzsymptomatik kann eine konservative Therapie versucht werden d.h. strikte Bewegungseinschränkung (Boxenruhe) ggf. entzündungshemmende Medikamente
Übergewicht muss abgebaut werden.

In schwereren Fällen ist eine chirurgische Therapie notwendig um den Druck der auf der Cauda Equina lastet zu beseitigen: Entfernung des Wirbelbogens (Laminektomie), Erweiterung der Nervenaustrittslöcher (Foraminektomie) oder die Stabilisierung des Lenden-Kreuz-Übergangs mittels geeigneter Osteosyntheseverfahren

Prognose:
meist gut, solange keine deutlichen Lähmungen auftreten.
Oft macht es ein Problem , die Boxenruhe einzuhalten, was zur Verlängerung des Heilungsprozesses führt.


Mehr weiß ich leider nicht zum C. E. K.S. :)
Grüße Andrea

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Letzte Änderung: von christiane.

Vermeidung/Veränderung des Sprungverhaltens - Patientenvorbehandlung 07.10.18 16 Okt 2018 08:59 #49

  • christiane
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Hallo, ja das war doch schon mal richtig gut beobachtet und reflektiert. Super! Jetzt so, wie ich den Befund schreiben würde:
Eine 4 jährige nicht kastrierte DSH wurde mir am 07.10.18 in meiner physiotherapeutischen Praxis vorgestellt. Die Hündin wird aktiv im IPO Sport geführt, derzeitiger Leistungsstand IPO 2. Die Besitzerin beobachtet seit geraumer Zeit, dass Ihre Hündin nicht mehr gerne ins Auto bzw. auf das Sofa springt. Ansonsten keine weiteren Auffälligkeiten. Medikamente werden keine verabreicht.
Gangbild:
Bei der Gangbilduntersuchung zeigten sich keine Auffälligkeiten. Bewegungsübergänge unauffällig.
Befund:
Im Stand zeigte sich eine Schwäche der linken HGLM bei der Gewichtsübernahme im Dreibeinstand. Dezente Muskelatrophie der gesamten linken HGLM – Muskulatur; Druckdolenz i.B. des M. gastrocnemius Caput mediale > Caput laterale. Bei der Bewegungsprüfung zeigte sich eine deutliche Einschränkung beider Tarsalgelenke in Extension. Parietale Dysfunktion des linken ISG. Parietale Dysfunktion der mittleren BWS mit deutlichem Hartspann der paravertebralen Muskulatur links. Ansonsten alle anderen Extremitätengelenke o.b.B.; Reflexstatus und Stellreaktionen o.b.B.; viszerale Dysfunktion suprapubical.
Physiotherapeutische/Osteopathische Funktionsdiagnose:
ISG Dysfunktion links aufgrund einer viszeralen Restriktion die vor allem die Schubübertragung und Extension im lumbosakralen Übergang beeinträchtigt.
Erklärungsmodell:
Aufgrund der viszeralen faszialen Einschränkungen wurde eine ISG Dysfunktion i.S. einer Upslip/Ventralrotation provoziert. Aufgrund dieser Stellungsveränderung kam es zu einer vermehrten Extensionsstellung im Kniegelenk und damit zu einer Dehnung der Hamstrings und des M. gastrocnemius. Dieser entwickelte dann aufgrund der vermehrten Spannung und Dehnung eine Schmerzhaftigkeit im Bereich des Muskelursprungs.
Probebehandlung:
Zuerst wurden die viszeralen Restriktionen gelöst und faszial (Ten Step Procedere) gearbeitet, anschließend wurde die Stellung von ISG und BWS und die Druckdolenz des M. gastrocnemius kontrolliert. Sowohl die Dysfunktionen wie auch die Schmerzhaftigkeit des M. gastrocnemius waren nicht mehr palpierbar.
Besitzerkommunikation:
Der Besitzerin wurden die Zusammenhänge zwischen viszeralen Einschränkungen und parietalen Auswirkungen erläutert. Außerdem wurde ein kurzes Aufbautraining zum Wiedereinstieg in den Sport besprochen.

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Letzte Änderung: von christiane.

Vermeidung/Veränderung des Sprungverhaltens - Patientenvorbehandlung 07.10.18 15 Okt 2018 10:40 #44

Hallo Zusammen,
die Hündin wurde von der Besitzerin vorgestellt, weil sie nicht mehr gerne ins Auto und auf das Sofa spang.

Bei der Gangbilduntersuchung zeigten sich keine Auffälligkeiten
Bei den folgenden Untersuchungen zeigten sich folgende Auffälligkeiten
- Gewichtsübernahme im Stand : links würde das Gewicht bei Hochheben der rechten HGL deulich verzögerter aufgenommen , als auf der rechten Seite
- Muskelsymmetrie :rechts mehr bemuskelt als links- Bei der Untersuchung des M. gastocnemius zeigt der Hund auf der linken Seite eine deuliche Reaktion, rechts keine Reaktion
- Tarsalgelenke war auf beiden Seite nicht weit in Flextension zu bringen
- ISG standen verschiedn hoch , ich meine links war höher
- BWS C5-C7 hatten eine Linkshochstand
- Muskelhartspann : stangartige Veränderung links

Ich hoffe es stimmt so weit,das nächste Mal schreibe ich mit :)

Grüße
Andrea

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Letzte Änderung: von christiane.

Vermeidung/Veränderung des Sprungverhaltens - Patientenvorbehandlung 07.10.18 08 Okt 2018 15:35 #36

  • christiane
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Hallo Andrea,
am 07.10.18 habe ich eine deutsche Schäferhündin, 4 Jahre alt vorbehandelt, bitte schreibe doch einen kurzen Fallbericht.
Warum wurde die Hündin von der Besitzerin vorgestellt?
Zeigten sich während der Gangbilduntersuchung Auffälligkeiten?
Welche Befunde habe ich während der Untersuchung erhoben?
Hier einige kurze Stichpunkte, die dir helfen sollen, den Befund etwas zu strukturieren:
1. Gewichtsübernahme im Stand
2. Muskelsymmetrie
3. M. gastrocnemius
4. Tarsalgelenke
5. ISG
6. BWS
7. Muskelhartspann
Differentialdiagnostisch sollte bei einem 4 jährigen Hund der im IPO Sport geführt wird, bei einer Vermeidung des Springens immer auch an ein Cauda equina Kompressionssyndrom gedacht werden. Hierzu hätte ich folgende Fragen? Hier möchte ich auch alle anderen Schüler einladen, diese Fragen mit zu beantworten.
Was versteht man unter einem Cauda equina Kompressionssysndrom?
Welche Synonyme werden auch für dieses Krankheitsbild verwendet?
Gibt es eine Rassedisposition? Falls ja, welche Hunde bzw. Rassen sind besonders betroffen?
Ist es ein akutes oder ein degeneratives Krankheitsgeschehen?
Welche Nerven sind bei einer C.E.K.S. betroffen? Gehören diese Nerven zum peripheren oder zum zentralen Nervensystem?
Welche Ursachen können für ein C.E.K.S genannt werden?
Welche Symptome können die betroffenen Hunde zeigen?
Wie kann ein C.E.K.S. diagnostiziert werden?
Mit welchem Operationsverfahren kann ein C.E.K.S behandelt werden?

Viel Spass

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