Forum

Willkommen, Gast
Benutzername: Passwort: Angemeldet bleiben:
  • Seite:
  • 1

THEMA: Degenerative Myelopathie

Degenerative Myelopathie / Frage zu kompetenter Stelle für Orthesen/Bandagen etc 07 Nov 2018 08:32 #86

  • severine.holzscheiter@physiobox.ch
  • severine.holzscheiter@physiobox.chs Avatar Autor
  • Offline
  • Beiträge: 3
Hallo miteinander, hallo Christiane
Sehr spannend, deine Rückmeldung zur Cortison-Frage, das hilft weiter! Auch in der Erklärung ggü. bzw. in der Aufklärung des Hundebesitzers ;-)

Andere Frage: Der Zustand der in diesem Fallbeispiel zur DM thematisierten DS-Hündin hat sich erneut schubweise verschlechtert. Die Instabilität hinten ist noch deutlicher, das Überköten, Überkreuzen und seitliche Wegkippen hat noch stärker zugenommen und die Hündin läuft trotz biko-Expander (bzw. ein Pendant aus der Schweiz) deutlich schlechter. Heisst, ihre Pfoten sowie der gesamte Bereich der Metatarsalen inkl. Tarsalgelenk werden zunehmend strapaziert - nicht nur beim Gehen, sondern auch beim Hinsetzen, Hinlegen und sich wieder Hochwursteln ... Noch lassen sich die chronisch offenen Wunden einigermassen behandeln, nun aber schwillt der ganze Bereich langsam an (insb. mediale Pfotenseite), ist sehr warm, der Bereich der Plantarfaszie fest und verdickt (löse ich auch regelmässig) und ich denke es sind die Kollateralbänder des Tarsalgelenks, die ebenfalls zunehmend verdicken, wohl weil die ganzen Gelenke durch komplett falsche Bewegungen überstrapaziert und fehlbelastet werden. Aktuell ist die rechte Seite stärker belastet wie die linke.

Meine Frage: Kennt jemand aus dem Forum oder kennst du, Christiane, eine gute Stelle für Orthesematerial, Prothesen, Bandagen, Pfotenschutz, Rollis etc.? Auch unabhängig von der betroffenen DM-Hündin (gibt ja immer wieder auch andere Fälle, wo man seine Kunden gerne in fachkompetente Rehatechniker-Hände schicken würde). Ich hatte bisher eine deutsche Person die in der Schweiz tätig ist, aber nach mehrfach z.T. äusserst enttäuschter Kunden meinerseits kann ich sie keinesfalls weiterempfehlen.
Ideal wäre natürlich, wenn darunter auch Stellen in der Schweiz oder zumindest Schweiz-grenznah wären (Region Bodensee), damit bei physischen Treffen auch einigermassen erreichbar ...

Ich danke & grüsse euch,
Severine

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Degenerative Myelopathie 30 Okt 2018 09:15 #85

Hi Alex,
du weißt doch dumme Fragen gibt es nicht und die Frage ist ja auch sehr berechtigt. Warum Cortison Therapie bei DM? Da die Ursachen noch nicht wirklich geklärt sind, könnten auch autoimmune Prozesse für die Krankheit verantwortlich sein. Ähnlich wie bei der Multiplen Sklerose beim Menschen.
Autoimmunerkrankung bedeutet, das körpereigene Immunsystem ist fehlgeleitet und richtet sich gegen körpereigene Strukturen, d.h. der eigene Körper wird angegriffen. Es gibt verschiedene Formen der Autoimmunerkrankungen. Die organspezifischen Autoimmunerkrankungen, hier richtet sich das körpereigene Immunsystem gegen spezifische Organe. Im Falle der DM wäre das die Myelinumscheidung des zentralen Nervensystems. Bei der menschlichen multiplen Sklerose vermutet man allerdings, das die Krankheit auch periphere Nerven schädigen kann. Bei systemischen Autoimmunerkrankungen kommt es zu chronischen Entzündungen innerhalb des Körpers, welche nicht auf ein Organ beschränkt sind. Die Entstehung vom Autoimmunerkrankungen ist noch nicht vollends erforscht. Allerdings geht man davon aus, dass einige Faktoren die Fehlfunktion des Körpers begünstigen. Sowohl erbliche, über hormonelle, bis hin zu umweltbedingten Faktoren können ausschlaggebend sein.Bei vielen Autoimmunerkrankungen hilft es, die Immunreaktion durch eine immunsuppressive Therapie zu dämpfen. Das bekannteste immunsuppressive Medikament ist Kortison. Also der Einsatz von Prednisolon bei der DM gilt nicht den Schmerzen sondern den chronisch entzündlichen Autoimmunprozessen.Natürlich hast du recht, Kortison wirkt katabol, d.h. es kommt in kürzester Zeit zu einem erheblichen Muskelkraft- und Muskelmasseverlust. Wie so oft, muss man sich innerhalb der Therapie für das kleinere Übel entscheiden. Medikamente können nur wirken, d.h. eine Einteilung in Wirkung und Nebenwirkung ist eigentlich irreführend.
Ich hoffe, das trägt etwas zur Klärung bei.

LG Christiane

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Degenerative Myelopathie 24 Okt 2018 22:49 #84

Vielleicht eine etwas dumme Frage, aber warum bekommt sie denn Prednisolon?
Eine DM an sich ist ja nicht schmerzhaft oder ein direktes Entzündungsgeschehen?
Da würde ich vom Muskelabbau Aspekt her eher auf das Prednisolon verzichten wenn immer möglich... Die Erfahrung musste ich in einem anderen Fall selber schon am eigene nHund machen leider: innert 3 Wochen ALLES an gut ausgeprägter Muskulatur sozusagen weg... Ich würde da (falls Schmerzen vorhanden sind) mal auf eine andere Schmerztherapie umsteigen und gucken wie sie da dann drauf reagiert.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Degenerative Myelopathie 19 Aug 2018 06:07 #11

Hallo Severine,
zusammengefasst lautet deine Frage, wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es bei der caninen DM eine medikamentöse Alternative zu Prednisolon?
Zur DM findet ihr unter diesem Link eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes von Dr. Kai Rentmeister: DMhttps://www.thieme.de/de/tiermedizin/degenerative-myelopathie-50450.htm
Er beschreibt, das Cortison nur bei akuten Schüben einen sinnvollen Effekt hat. Einige unserer Patienten bekamen dauerhaft Phen-Pred, andere Patienten wurden mit Prednisolon behandelt, auch hatten wir Patienten, die weder noch bekamen. Heißt für mich, dass es noch keinen Goldstandard bei der Behandlung der caninen degenerativen Myelopathie gibt.
Mutation des SOD 1 Gens
SOD 1 (Superoxiddismutase) ist ein hochaktives Protein (Enzym) innerhalb des Zytosols. Mit zwei weiteren Superoxiddismutasen sorgt SOD 1 für die Entgiftung von freien Sauerstoffradikalen innerhalb der Zelle. Diese freien Sauerstoffradikalen entstehen durch die mitochondriale Atmungskette und weiterer biochemischer Vorgänge in der Zelle. Viele SOD 1 Mutationen bleiben ohne Auswirkung auf die enzymatische Aktivität. Also nicht der Funktionsverlust des Enzyms führt zu einer Schädigung des Nervensystems, sondern vielmehr führen die SOD 1 Mutationen zu einem toxischen Effekt und damit zur Schädigung der Nerven. (Scheinbar ist der Gendefekt auch nicht alleiniger Verursacher der Erkrankung)
Die genauen pathogenetischen Mechanismen sind noch nicht wirklich geklärt. Folgende Hypothesen werden diskutiert:
• Mitochondriale Dysfunktion
• Entzündungen durch fehlerhafte Proteinanlagerungen
• Gestörter axonaler Transport
• Exzitotoxizität (eine erhöhte Glutamatkonzentration rund um die Zelle, führt zu einem erhöhten Calciumeinstrom in die Zelle und infolge der Reizüberflutung kommt es zum Nervenzelltod
Die canine degenerative Myelopathie wird häufig aufgrund der SOD 1 Mutation mit der amyotrophen Lateralsklerose in der Humanmedizin verglichen. In der Humanmedizin wird ein Glutamatantagonist zur Behandlung der ALS eingesetzt. Allerdings bringt dieser scheinbar keine Verbesserung der klinischen Symptomatik, sondern der Einsatz dieser Medikamente erhöht die Überlebenszeit auf 3 Monate. Mir ist nicht bekannt, dass diese Medikamente bei der caninen degenerativen Myelopathie zum Einsatz kommen.
Mikronährstofftherapie bei neurodegenerativen Erkrankungen
Ein erhöhter oxidativer Stress und ein gestörter mitochondrialer Energiestoffwechsel können aus orthomolekulartherapeutischer Sicht wesentlich an einer neurodegenerativen Erkrankung, wie der caninen degenerativen Myelopathie, beteiligt sein. Folgende Mikronährstoffe können zur Therapie eingesetzt werden, allerdings fehlt bei allen Empfehlungen eine gesicherte wissenschaftliche Evidenz:
• Alpha-Liponsäure
• Reduz. Glutathion
• Vitamin B- Komplex
• Q 10
• Magnesium
• Vitamin C
• Omega 3 FS
• Resveratol
Sollte eine begleitende orthomolekulare Therapie in Frage kommen, bitte die Behandlung mit einem Tierarzt oder Tierheilpraktiker absprechen.
Weitere therapeutische Maßnahmen:
• Physiotherapie
• Ernährung – ggf. glutenfreie Ernährung, außerdem auf künstliche Zusatzstoffe etc. im Futter verzichten

Liebe Kollegen,
bitte gerne hier im Forum eure Erfahrungen hinsichtlich der medikamentösen Therapie bei DM teilen.
LG Christiane

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Degenerative Myelopathie 18 Aug 2018 17:24 #10

  • severine.holzscheiter@physiobox.ch
  • severine.holzscheiter@physiobox.chs Avatar Autor
  • Offline
  • Beiträge: 3
Hallo miteinander
Ist zwar kein wirklich ausführliches Fallbeispiel, aber vielleicht doch eine Frage, mit der auch andere Hundephysios konfrontiert werden und zwar eine Frage zur Medikation bei DM. Habe eine 10-jährige DSH, die gemäss Besitzerin seit ca. März erste Auffälligkeiten typisch zur DM zeigte und auch der Verlauf der Erkrankung passt mit dem üblichen Voranschreiten der Krankheit überein (zudem ist sie genetisch positiv getestet). In den wöchentlichen Sitzungen machen wir, soweit überhaupt noch möglich, koordinative Übungen mit Geräten im Sinne von propriozeptivem Training (hier zeigt sie aber bereits starke Defizite), dann geht sie jeweils so lange bis das Gangbild schlechter wird im UWLB und natürlich löse ich sie mit physiotherapeutischen und osteopathischen Techniken. Sie trägt seit einigen Wochen nun auch einen biko-Expander, der ihr bei der Vorführung der HGM wertvolle Dienste leistet und ohne diesen sie noch sehr viel stärker und häufiger überköten und überkreuzen würde.
Die Besitzerin ist sehr engagiert und macht alles, was die Krankheit irgendwie hinauszögern kann. Da gehört auch die Schulmedizin dazu und die Hündin bekommt als Cortisonpräparat Prednisolon. Die Hündin hat nun auch stark an Muskulatur (insb. Rückenmuskulatur, das kurze transversospinale System aber auch die langen Rückenstrecker) abgebaut, wohl auch wegen des Cortisons. Gibt es alternativen zu Prednisolon, was weniger schädliche Nebenwirkungen hat? Natürlich im Wissen, dass es eine adäquate Therapie für DM nicht gibt und alles nur 'beste Alternativen' sind. Reiskeimöl als Nahrungsergänzung zum Erhalt der Muskulatur verweigert die Hündin inzwischen.
Ich werde mich auch noch bei einem Neurologen erkundigen und wenn ich etwas Sinnvolles erfahre dies dann hier ins Forum stellen.
Danke euch für eure Hinweise und ein gutes Wochenende,
Severine

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Seite:
  • 1
Ladezeit der Seite: 0.309 Sekunden
Wir verwenden auf unserer Internetseite ein Session Cookie.
Gemäß der Datenschutzgrundverordnung DSGVO sind wir verpflichtet unsere Nutzer darüber zu informieren.
Mit der Nutzung unserer Internetseite erklären Sie sich damit einverstanden.
Weitere Informationen Ok